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Der Autor Michiel van der Mey erinnert an das große Flugboot
Die Dornier Wal


KLEVE - Noch immer wird die wechselvolle und spannende Geschichte des Flugbootes Dornier Wal in Deutschland vergessen und unterschätzt. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde dieses Flugboot von Claude Dornier entworfen, einem engen Mitarbeiter Graf Zeppelins. Mit der Dornier Wal wurden viele Pionierflüge unternommen, wie der von Roald Amundsen zum Nordpol oder die diversen anderen Flugexpeditionen, wie jene des Italieners Locatelli, des Briten Frank Courtney, des Deutschen Wolfgang von Gronau, des Spaniers Ramon Franco oder des Portugiesen Sarmento de Beires.

Mit besonderem Nachdruck möchte ich jedoch an die "Trans-Ozean-Flieger" der Deutschen Lufthansa erinnern, die in den 30er Jahren von Katapultschiffen abgeschossen wurden und die Post von Gambia nach Fernando de Norohna und zurück brachten. Die Lufthansa begann die Flüge im Jahr 1934 in Konkurrenz mit Air France. Auch fast in Vergessenheit geraten sind die Aktivitäten der Deutschen Verkehrsfliegerschule auf Sylt, die Passagierflüge der Lufthansa im Baltikum und der Italiener im Mittelmeer oder die Luftfahrtaktivitäten der Deutschen in Südamerika.

Die geheimnisvolle und einmalige Geschichte des weltweit eingesetzten Flugbootes Dornier Wal können Sie in meinem Buch "Dornier Wal a Light coming over the Sea" nachlesen. Die zweite Auflage enthält ein Vorwort von Gräfin Maria Fede Caproni, der Grande Dame der italienischen Luftfahrt.

Man wird heute meinen, die Geschichte der Dornier Wal sei bereits seit langem beendet. Doch erst im Oktober diesen Jahres ist das letzte Kapitel der Dornier Wal geschlossen worden. Gemäß der "Corriere della Sera" vom 8. Oktober 2007 wurden Mitte vergangenen Monats die letzten Reste der alten, legendären CMASA-Werft, wo ab 1922 die Flugboote von Amundsen und Wolfgang von Gronau (für seinen ersten Amerikaflug von Lyst nach New York) gebaut wurden, gesprengt, um Platz für eine moderne Marina zu machen.

Marina di Pisa und die "Boca d'Arno" (die Mündung der Arno) waren damals weltweite Referenzpunkte der Seefliegerei. Im Jahre 1928 brachen von der CMASA die zwei für den Einsatz auf Eis angepassten italienischen Dornier Wal Flugboote Marina I und II auf, die erfolgreich nach dem Luftschiff "Italia" von Umberto Nobile suchten. Im Jahr 2005 hatten mein Freund Luca Serasini und ich noch einmal die Gelegenheit, innerhalb der historischen Mauern der Werft zu filmen.

Diese Filmaufnahmen haben wir in einen Schwarzweißfilm aus dem Jahr 1927 eingebaut. An Bord eines Passagiersflugbootes der SANA werden die Fluggäste, gekleidet im modischen Schick ihrer Zeit (Hut, Stock und feine Sakkos) an den Dornier Wal herangefahren. Galante italienische Matrosen (ein Flugboot ist ein Schiff!) helfen beim Einstieg in die Fluggastkabinen für den Flug von Ostia nach Genua.

In Marina di Pisa wurde einen Zwischenstopp gemacht und dann passiert es: ein Mann betritt in die alte Ruine und vergleicht die Öde von 2005 mit Fotos der Geschäftigkeit in den 20iger und 30iger Jahren des letzten Jahrhunderts. Der Mann errichtet einen Tisch und beginnt, ein Modell der "Grönland Wal", des in Manzell gebauten Wals, mit dem Wolfgang von Gronau 1933 um die Welt geflogen ist, nachzubauen.

Einige Minuten später fliegen wir, wie der Blick durch die geöffneten Bullaugen zeigt, für heutige Begriffe extrem niedrig an der italienische Küste vorbei bis zum schwimmenden Flughafen von Genua. Danach gehen die Passagiere mittels einer Barkasse von Bord.

Näheres über die weltweite Geschichte der fliegende Wale erfahren Sie in der zweite Auflage meines Buches "Dornier Wal a Light coming over the Sea" und auf meiner Internetseite dornier-wal.com. Für mein deutschsprachiges Buch "Dornier Wal soweit der Erdkreis reicht" wird derzeit noch ein Verlag gesucht.

Ja, wirklich, von der Versuchung des Wals kommt man nie mehr los.

 
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   May 2007
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